Konferenz auf Bali gegen Holocaust-Leugner
Man bemüht sich um ein weltoffenes Image im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde. Juden, Muslime und Christen diskutierten über religiöse Toleranz. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Irans Präsident Ahmadinedschad falsch liegt.
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Foto: AFP
Rabbi Daniel Landes unterhält sich mit dem indischen religiösen Führer Sri Sri Ravi Shankar bei der Konferenz auf Bali
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Indonesien gibt sich Mühe, sein tolerantes, säkulares Image aufrecht zu erhalten. Das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde ist unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen einen Tag lang zum Schauplatz für eine bisher einmalige Religionskonferenz geworden: Bei dem Treffen auf der Ferieninsel Bali drehte sich alles um religiöse Toleranz und die Anerkennung der Judenverfolgung durch die Nazis als historische Tatsache. Damit will Indonesien sich ganz bewusst von fundamentalistischen, radikalen Geistern absetzen.
Die Konferenz,
an der Rabbis,
hinduistische
und christliche
Geistliche,
Holocaust-Überlebende,
Opfer
islamistischen
Terrors und
muslimische
Kleriker
teilnahmen,
sollte als
Gegenveranstaltung
zu einer
früheren Tagung
im vergangenen
Dezember in
Teheran dienen.
Dort war die
Genozid an den
Juden im Zweiten
Weltkrieg
öffentlich
angezweifelt
worden, was
weltweit für
Empörung gesorgt
hatte. Der
iranische
Präsident Mahmud
Ahmadinedschad
hatte den
Holocaust damals
höchstpersönlich
als Mythos
abgetan.
„Diese Konferenz beschäftigt sich mit allen Formen der Gewalt, die im Namen der Religion ausgeübt wird“, erklärte C. Holland Taylor, Vorsitzender der amerikanischen LibForAll Stiftung, die die Tagung mitorganisiert und -finanziert hat. Der 79-jährige Sol Teichmann, ein jüdischer Überlebender des Naziterrors, eröffnete den Tag mit einem Appell für mehr Toleranz: „Ich hoffe, die Menschen werden aus der Vergangenheit lernen. Wir sollten versuchen, das Leben zu verbessern, anstatt es zu zerstören“. Teichmann hat 70 Familienmitglieder im Holocaust verloren und war unter anderem in Auschwitz und Dachau inhaftiert.
Anti-Teheran-Konferenz im muslimischen Indonesien
Das südostasiatische Inselreich ist grundsätzlich bekannt für seine weltoffene Auslegung des Islam. Doch gibt es hier eine Handvoll militanter Gruppen, die das Gesamtbild durch Terroranschläge und lautstarke Parolen trüben. Die Insel Bali, eine hinduistische Enklave inmitten von über 190 Millionen indonesischen Moslems, ist selbst zum traurigen Symbol dieses indonesischen Islamismus geworden: Im Oktober 2002 zündeten Terroristen im Touristenmekka Kuta gleichzeitig mehrere Bomben. 202 Menschen kamen ums Leben – der bisher schlimmste Anschlag in der indonesischen Geschichte. Als Täter wurde die Jemmah Islamiyah (JI) verantwortlich gemacht, eine lokale Gruppierung, die mit Osama Bin Ladens al Qaida in Verbindung stehen soll. In Jimbaran selbst, dem Tagungsort der gestrigen Konferenz, hatte die gleiche Gruppe drei Jahre später in idyllischen Strandrestaurants noch einmal mehrere Sprengsätze gezündet. Diesmal waren 22 Menschen gestorben.




