Logo Welt

 
12. Juni 2007, 16:31 Uhr
Von Sophie Mühlmann
Indonesien

Konferenz auf Bali gegen Holocaust-Leugner

Man bemüht sich um ein weltoffenes Image im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde. Juden, Muslime und Christen diskutierten über religiöse Toleranz. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Irans Präsident Ahmadinedschad falsch liegt.

 

 
Rabbi Daniel Landes unterhält sich mit dem indischen religiösen Führer Sri Sri Ravi Shankar bei der Konferenz auf Bali

 

Indonesien gibt sich Mühe, sein tolerantes, säkulares Image aufrecht zu erhalten. Das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde ist unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen einen Tag lang zum Schauplatz für eine bisher einmalige Religionskonferenz geworden: Bei dem Treffen auf der Ferieninsel Bali drehte sich alles um religiöse Toleranz und die Anerkennung der Judenverfolgung durch die Nazis als historische Tatsache. Damit will Indonesien sich ganz bewusst von fundamentalistischen, radikalen Geistern absetzen.


Die Konferenz, an der Rabbis, hinduistische und christliche Geistliche, Holocaust-Überlebende, Opfer islamistischen Terrors und muslimische Kleriker teilnahmen, sollte als Gegenveranstaltung zu einer früheren Tagung im vergangenen Dezember in Teheran dienen. Dort war die Genozid an den Juden im Zweiten Weltkrieg öffentlich angezweifelt worden, was weltweit für Empörung gesorgt hatte. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte den Holocaust damals höchstpersönlich als Mythos abgetan.

 

„Diese Konferenz beschäftigt sich mit allen Formen der Gewalt, die im Namen der Religion ausgeübt wird“, erklärte C. Holland Taylor, Vorsitzender der amerikanischen LibForAll Stiftung, die die Tagung mitorganisiert und -finanziert hat. Der 79-jährige Sol Teichmann, ein jüdischer Überlebender des Naziterrors, eröffnete den Tag mit einem Appell für mehr Toleranz: „Ich hoffe, die Menschen werden aus der Vergangenheit lernen. Wir sollten versuchen, das Leben zu verbessern, anstatt es zu zerstören“. Teichmann hat 70 Familienmitglieder im Holocaust verloren und war unter anderem in Auschwitz und Dachau inhaftiert.

 

Anti-Teheran-Konferenz im muslimischen Indonesien

Die indonesische „Anti-Teheran-Konferenz“ war ohne jede öffentliche Publicity organisiert worden. Medien durften im Vorfeld kein Wort über die Veranstaltung verlauten lassen. Schirmherr war Indonesiens ehemaliger Präsident Abdurrahman Wahid, ein äußerst moderater Kleriker, der sich schon häufig einen Namen als erklärter Gegner fundamentalistischer Ideologien gemacht hat. „Obwohl ich ein guter Freund Ahmadinedschads bin“, so Wahid gestern auf Bali, „muß ich doch sagen, dass er falsch liegt. Er hat die Geschichte verfälscht. Ich glaube, der Holocaust hat tatsächlich stattgefunden“. Wahid ist seit über zwanzig Jahren Mitglied des Shimon Peres Friedensinstituts in Tel Aviv und hat sich in seiner Heimat heftige Kritik zugezogen, als er sich für direkten Handel zwischen Israel und Indonesien eingesetzt hatte. Die beiden Länder pflegen keine diplomatischen Beziehungen miteinander.

Das südostasiatische Inselreich ist grundsätzlich bekannt für seine weltoffene Auslegung des Islam. Doch gibt es hier eine Handvoll militanter Gruppen, die das Gesamtbild durch Terroranschläge und lautstarke Parolen trüben. Die Insel Bali, eine hinduistische Enklave inmitten von über 190 Millionen indonesischen Moslems, ist selbst zum traurigen Symbol dieses indonesischen Islamismus geworden: Im Oktober 2002 zündeten Terroristen im Touristenmekka Kuta gleichzeitig mehrere Bomben. 202 Menschen kamen ums Leben – der bisher schlimmste Anschlag in der indonesischen Geschichte. Als Täter wurde die Jemmah Islamiyah (JI) verantwortlich gemacht, eine lokale Gruppierung, die mit Osama Bin Ladens al Qaida in Verbindung stehen soll. In Jimbaran selbst, dem Tagungsort der gestrigen Konferenz, hatte die gleiche Gruppe drei Jahre später in idyllischen Strandrestaurants noch einmal mehrere Sprengsätze gezündet. Diesmal waren 22 Menschen gestorben.

 

„Es ist nun an uns, die Religion zu ihrem ursprünglichen Zweck zurückzuführen“, so Jenny Wahid, die Tochter des Ex-Präsidenten, die sich selbst für einen liberalen Islam engagiert und das von ihrem Vater gegründete Institut gegen Radikalisierung in Jakarta leitet, „wir müssen die Bedeutung gemeinsamer Werte hervorheben“.

 

 

  Printer Friendly Version of This Page